Afrika Editor's Diary Reiseblog Reiseziele Weltweit

Alleine als Frau in Marrakesch

Februar 28, 2016
alleine als Frau in Marrakesch

Urlaub alleine als Frau in Marrakesch – ist das nicht zu gefährlich? Ich wagte den Selbsttest, flog nach Marokko und bewegte mich solo in der Medina. Meine Erfahrungen und Tipps möchte ich heute mit Ihnen teilen.

Solourlaub in Marokko: Hinein ins Abenteuer!

„Was, du setzt dich schon wieder alleine in den Flieger? Und dann auch noch nach Marrakesch?“, hörte ich immer wieder vor meiner Marokko-Reise. Frau ohne Begleitung in einem muslimischen und dazu noch nordafrikanischen Land – Koordinaten, die für viele Grund genug zur Sorge sind. Alleine als Frau in Marrakesch hat man es garantiert nicht leicht. Das kann ich bestätigen. Aber gefährlich ist es auch nicht. Wie ist es also, solo in der Medina unterwegs zu sein, wie verhält man sich am besten und wie outet man sich nicht sofort als Touristin? Ich wurde erst ins kalte Wasser geworfen (lesen Sie hierzu meine ersten Eindrücke vom Platz Djemaa el Fna), um mich dann von der fremdartigen Kultur in ihrer Gänze verzaubern zu lassen. Zum Glück kann man im Nachhinein meist über sich und die eine oder andere Erfahrung lachen. Mir ist da so einiges passiert…

Altstadt Marrakesch

Hier führte mich mein Weg vom Riad zum Platz Djemaa el Fna vorbei

Im Grunde ist es kein Ding, alleine als Frau in Marrakesch Urlaub zu machen. Solange man sich nicht von der Kultur abschrecken lässt, die sich so sehr von der unseren unterscheidet. Mein Hauptproblem war die Orientierung, denn die vielen kleinen Gassen der Medina sind in keiner Karte vollständig verzeichnet. Sobald ich mich verirrte und suchend umsah, war aber immer jemand zur Stelle, der mir für ein paar Dirham den Weg zeigte. Einem Jungen, der mir den Weg zum Riad wies, gab ich vier Euro, für die Einheimischen eine Menge Geld. Weil ich anfangs nur 100-Dirham-Scheine dabei hatte und nicht gehandelt habe, zahlte ich für frischen Orangensaft umgerechnet fast 5 Euro statt 30 Cent. Bei einer Taxifahrt habe ich anfangs 8 Euro ausgehandelt, mein Wechselgeld aber nie gesehen. Zudem blicken die Einheimischen einem gern ins Portemonnaie und entdecken dort mit Adleraugen Scheine und Euro-Münzen. Daher empfehle ich besonders Alleinreisenden in Marokko, einzelne Scheine in die Hosentasche zu stecken, am besten in kleinen 20-Dirham-Beträgen.

Alleine in Marrakesch

In der Medina wimmelt es von Touristen, trotzdem kann man sich leicht verlaufen

Unterwegs auf den Basaren, Märkten und in den Souks

In Marrakesch gibt es wie in jeder anderen marokkanischen Stadt (z.B. Essaouira) ein unbedingtes Must: Handeln, handeln, handeln! Die Verkäufer auf den Märkten und in den Souks wissen, dass wir weder an niedrige Preise noch ans Feilschen gewöhnt sind, und nennen erst einmal Fantasiepreise. Diese sind doppelt, dreimal oder sogar zehnmal so hoch wie der Wert einer Sache. Bevor man echtes Interesse zeigt und sich bereit erklärt, etwas zu kaufen, gilt es also immer nach dem Preis zu fragen und zu handeln! Ich finde dieses Feilschen sehr anstrengend. Zum einen komme ich mir unhöflich vor, wenn ich für ein gutes, handgearbeitetes Produkt den Preis drücke, zum anderen machen die marokkanischen Händler einem gerne ein schlechtes Gewissen, damit man den Preis nicht noch weiter herunterhandelt. Gewöhnen kann ich mich daran, aber Spaß werde ich daran wohl nie haben!

Marrakesch Gewürze

Marrakesch ist bekannt für seine Farben und Gewürze – die meisten finden Sie auf dem Rahba Kedima-Platz

Auf seine Handtasche sollte man schon aufpassen, ansonsten ist Marrakesch sehr sicher, zumal es in den Gassen von Touristen wimmelt. Mit unsicherem Blick ist man allerdings ein gefundenes Opfer für Händler und Geldeintreiber, wie ich am eigenen Leib erfuhr: Auf der Suche nach der richtigen Abzweigung zum Jardin Majorelle sprach mich ein älterer Mann an und sagte mir, der Garten hätte an diesem Tag (wegen zu viel Grundwasser!?!) geschlossen. Statt dessen könnte er mich zu einem Markt bringen, besser als alle anderen, mit den tollsten Schmuckstücken und dergleichen. Für den Jardin wäre es sowieso sehr spät, also ging ich mit. Unterwegs wurde ich misstrauisch, der Weg war weit, ein Taxifahrer versicherte mir aber „This is a good guy!“ Schließlich landete ich in einem Geschäft, wo man mir mehrere Teppiche präsentierte und als ich daran nicht interessiert war, wirklich schönen Silberschmuck. Der alte Mann legte mir einen Armreif nach dem anderen an, bis mein gesamter Arm voll war. Nachher entdeckte ich übrigens genau diese Armreifen an anderen Ständen auch. Ich betonte erneut, dass ich kein Geld übrig habe (man glaubte mir nicht), dann dass ich nichts kaufen wolle und vielleicht wiederkomme (man sagte, das Geschäft sei nur heute geöffnet) und dann dass ich zum Hotel zurück müsse. Letztendlich ging ich, nicht ohne dem alten Mann ein paar Dirham für seine große Familie und Enkelkinder dazu lassen. Sie waren es wert, schließlich bin ich jetzt um eine Erfahrung reicher.

Souk Marrakesch

Die vielen Läden werden fälschlicherweise oft als Souks bezeichnet, dabei handelt es sich bei Souks wie hier im Bild um eine Art Pop-up-Store, wo die Händler zeitweise wohnen und ihre Ware anbieten

Vor allem alleine als Frau in Marrakesch ist es also ratsam, selbstsicher und ohne jeden Blick nach rechts und links durch die Gassen zu laufen. Das habe ich mir nach den ersten Tagen angewöhnt und wurde dann auch weniger angesprochen. Dabei gewöhnte ich es mir an, dicht an den Ständen auf der rechten Seite entlang zu laufen. Denn Eselskarren und knatternde Mopeds sind keine Seltenheit in der Altstadt. Sicherer fühlt man sich in Marrakeschs Medina definitiv in Begleitung anderer, männlicher Reisender. An einem Tag nahm ich mir einen offiziellen Guide, den ich übers Hotel gebucht hatte, was ich absolut empfehlen kann. Er brachte mich sogar in die kleinsten Gassen, wo gefärbt, genäht, gehämmert und geschmiedet wird. Wirklich interessant und keiner versuchte mich zum Kaufen zu überreden!

Kunsthandwerk in Marrakesch

Mit einem Guide erlangen Sie Einblicke hinter die Kulissen

Alleine als Frau in Marrakesch: Die Sache mit der Kleidung

Um mit einem Gerücht aufzuräumen: Als Europäerin wird man nicht automatisch als leichter Fang angesehen. Trotzdem sollte man sich nicht als Alleinreisende outen, wenn man in Marokko nicht gerade auf Männersuche ist. Neugierige Fragen nach meinem Ehemann (französisch „marie“) habe ich oft damit gekontert, dass dieser um die Ecke im Riad warte. Noch besser wäre es gewesen, ich hätte einen Ring am Finger getragen. Anmachen sind laut verschiedener Quellen sowieso seltener geworden, seit König Mohammed VI. 1999 an die Macht kam. Schließlich ist der Tourismus Lebensquelle und Motor der Händler und Bewohner Marrakeschs. Generell waren die Marokkaner sehr freundlich, hilfsbereit und abgesehen vom Anpreisen ihrer Produkte eher zurückhaltend. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich mich kleidertechnisch anpasste. In Tunika, langem Cardigan, Boyfriend-Jeans und Ballerinas wurde ich tatsächlich weniger angesprochen als in T-Shirt, Röhre und Sandalen. Auf zu viel Haut, sprich kurze und ärmellose Kleidung verzichtete ich in Marrakesch ganz, was in den schattigen Gassen und Souks auch temperaturmäßig passte.

Eselskarre

Transportmittel Nummer Eins sind Eselskarren, Mopeds und Fahrräder

Nach einer Woche alleine als Frau in Marrakesch, als ich mich gerade an die orientalischen Basare, die Menschen und ihre Liebe zum Feilschen gewöhnt hatte, stand für mich leider schon wieder die Abreise auf dem Plan. Abschließen möchte ich mit einem Zitat der Bloggerin Coco von Lebensszenen, denn sie bringt das Lebensgefühl in dieser Stadt auf den Punkt: „Marrakesch war anders, als ich erwartet hatte und doch mit einem ganz eigenen wundervollen Zauber, der mein Herz direkt wieder voller Sehnsucht seufzen lässt. Man muss diese Atmosphäre einmal erlebt haben in seinem Leben. Dieses elektrisierende Knistern, das die ganze Zeit in der Luft liegt, während es sich mit Gerüchen, lautem Arabisch und orientalischer Musik verbindet, die allzeit durch die Stadt wabert.“

Herstellung Arganöl

In der Apotheke Rosa Huile (Adresse Derb Haj Laarbi N°2 Deffa Ourba) können Sie Frauen bei der Arganölgewinnung zusehen und die Produkte direkt zu Festpreisen kaufen

Für alle Frauen allein auf Reisen haben wir in weiteren Artikeln wertvolle Tipps gesammelt:

Alle Fotos: I ♥ Travelling

You Might Also Like

5 Comments

  • Reply Jardin Majorelle Yves Saint Laurent | I ♥ Travelling April 15, 2016 at 10:04 am

    […] – dieser Garten ist der wohl idyllischste Ort der Welt. Er lässt einen die Hektik der Bazare und Sightseeing-Touren vergessen und aufatmen. Nicht umsonst fanden im Jardin Majorelle Yves Saint […]

  • Reply Packliste Marokko | I ♥ Travelling April 8, 2016 at 3:33 pm

    […] Münzgeld hat Editor Katrin schon im Beitrag “Alleine als Frau in Marrakesch” etwas geschrieben. Ansonsten nehmen Sie einfach das mit, was Sie in anderen Ländern auch […]

  • Reply Sehenswürdigkeiten in Marrakesch ♥ Meine top 3 – I ♥ Travelling März 25, 2016 at 7:11 pm

    […] entspannten Stunden in meinem Hotel im Palmeraie und Streifzügen durch die Medina fand ich es wunderbar, für ein paar Stunden in die Geschichte Marrakeschs einzutauchen. Und auch […]

  • Reply Hotel Riad Ilayka Marrakech - I ♥ Travelling März 15, 2016 at 1:06 pm

    […] der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom einst über die Destination meiner Wahl (hier, hier und hier habe ich bereits von meiner Reise berichtet). Und ich gebe ihm recht: Man bräuchte wohl […]

  • Reply Les Deux Tours Marrakesch - I ♥ Travelling März 3, 2016 at 10:34 pm

    […] süße Nichtstun genießen – das fällt mir zwischen erlebnisreichen Tagen alleine als Frau im turbulenten Marrakesch leicht. Morgens genieße ich mein Frühstück auf der Terrasse mit Blick ins Grüne, mittags esse […]

  • Leave a Reply